Feuer auf dem Gendarmenmarkt

Wie zuvor erwähnt, hat sich der Berliner im siebenten Jahr bereits ans Festival of Lights gewöhnt. Daher hab ich auch zunächst gezögert, meine Kamera zu greifen und loszufahren. Also suchte ich nach neuen Motiven, die ich so zuvor noch nicht fotografiert hatte. Nachdem ich die “Wächter der Zeit” an der Siegessäule aufgesucht und die Menschenmassen am Brandenburger Tor links liegen gelassen hatte, kam ich auf meinem Weg zum Gendarmenmarkt.

Schnell wurde mein Blick von einem mit brennenden Schalen abgesperrten Bereich vor dem Deutschen Dom angezogen. Dort begannen gerade einige Künstler mit ihrer Darbietung, die schnell eine Menge Zuschauer (vor allem Fotografen) anzog. Aus dem Internet weiß ich nun, dass der korrekte Begriff für das, was ich dort miterleben durfte, Poi-Spiel ist, genauer gesagt Feuerpoi. Dabei werden brennende Objekte an Ketten in verschiedenen Figuren um den Körper rotiert, was unglaublich beeindruckend aussieht. Aber was rede ich hier lange, so sieht es aus:

Künstler: Björn Glaesmann, Atman B. Wiska

Später hatte ich Gelegenheit, mich kurz mit Björn Glaesmann (auf dem oberen Bild vorn) zu unterhalten. Bei dem noch recht warmen Wetter hatten sich die Spieler wohl recht spontan entschieden, die außergewöhnliche Kulisse des Festivals für einen Auftritt zu nutzen. Das war sowohl für sie ein tolles Erlebnis, wie auch für die zahlreichen Fotografen, die zum Festival unterwegs waren. Als Nebeneffekt würden sicher auch ein paar gute Fotos entstehen. Einziger Haken: die Fotografen waren alle so mit ihren Kameras beschäftigt, dass kaum Applaus gespendet werden konnte.

Für mich war die Show das absolute Highlight des gesamten Festivals und ich war echt froh, mich doch aufgerafft zu haben. Somit bin ich auch gern dem Wunsch nachgekommen, meine Bilder zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug bedanke ich mich hier für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Björns Show findet man übrigens unter www.flow-of-fire.com.

Künstler: Björn Glaesmann

Von fotografischer Seite war der Abend durchaus eine Herausforderung: Einerseits will man lange Belichtungszeiten benutzen, um möglichst lange Feuerspuren zu erzeugen, andererseits sieht man dann nur noch unscharfe Schatten der Personen, da sich die Spieler sehr schnell bewegen. Ein großes Blitzsetup zum Einfrieren der Bewegung hatte ich natürlich nicht in der Tasche. Und im Vergleich zum umgebenden Licht ist das Feuer auch sehr hell, so dass man aufpassen muss, die Spuren nicht völlig überzubelichten.

Somit blieb nur viel Abwägen und Ausprobieren, die richtige Balance zu finden. Die Bilder hier liegen zwischen 1/5 und 1,3 Sekunden. Manueller Modus, der Automatik hab ich hier von Anfang an nicht vertraut. Komplette EXIF-Daten gibt es bei Flickr (per Klick auf die Bilder).

Künstler: Atman B. Wiska

Festival of Lights 2011

In diesem Jahr fand in Berlin bereits zum siebenten Mal das Festival of Lights statt. Für viele Touristen ist das ein Highlight und die Fotografen stehen sich quasi gegenseitig auf den Füßen, um das beste Bild mit nach Hause zu nehmen.

Für die Berliner setzt aber inzwischen der Gewöhnungseffekt ein. Viele der Illuminationen gab es so oder so ähnlich schon im letzten Jahr oder davor. Zudem nimmt die Kommerzialisierung zu, was sich wahrscheinlich nicht vermeiden lässt, aber insbesondere dann stört, wenn die Illumination nur noch eine einzige Werbefläche ist.

Trotzdem hab ich wieder zur Kamera gegriffen und versucht, ein paar Bilder zu machen, die vorher noch nicht so da waren. Und wenn man genau hinschaut, sieht man auch neue, sehr schicke Installationen wie die kleinen beleuchteten Schiffchen am Potsdamer Platz:

Ich war kurz davor, mich über die Baustelle Unter den Linden zu ärgern, wo ich vor zwei Jahren mein am meisten auf Flickr betrachtetes Bild geschossen hab. Dann fiel mir ein, dass man diese ja auch zum Motiv machen kann. Herausgekommen ist wohl mein Lieblingsbild in diesem Jahr:

Ich frage mich ja immer, was mit den ganzen Fotos passiert, die in diesen zwei Wochen geschossen werden. Wird sie jemals eine Person außer dem Fotografen selbst zu Gesicht bekommen? Werden sie schnell in Vergessenheit geraten?

Die besten meiner Bilder gibt es jedenfalls auf Flickr.

PS: Für ein besonderes Highlight habe ich noch einen eigenen Artikel vorgesehen.

Zurück im Netz

Nunja, der Wechsel zu VDSL bei der Telekom war alles andere als einfach. Die Telekom scheint auch keinen so richtigen Plan zu haben, wie man Kunden problemlos umzieht und Offline-Zeiten gering hält.

Am Ende war ich rund einen Monat ohne Internet und hab etliche Stunden in Hotlines verbracht. Wenn ich das alles aufgeschrieben hätte, hätte ich hier diverse Seiten füllen können. Aber eigentlich war mir das alles zu viel negativer Inhalt.

Interessanterweise hat unser Wirtschaftsminister gerade zu dem Zeitpunk angekündigt, dass der DSL-Wechsel künftig per Gesetz nur noch einen Tag dauern soll. Ich würde es mehr als begrüßen. Denn wie kann man von freier Entscheidung des Kunden für einen Anbieter reden, wenn man Gefahr läuft, für längere Zeit sein Internet zu verlieren. Gerade für Freiberufler oder kleine Firmen ist das ein nicht zu kalkulierendes Risiko.

Auf dem Weg in die Versorgungslücke

Nun ist es endlich soweit. Der Wechsel meines DSL-Anbieters steht direkt bevor. Aber wer denkt, es wäre nur schwierig, von der Telekom weg zu kommen und die andere Richtung ist total einfach, irrt gewaltig.

Als ich meine Kündigungsbestätigung von 1und1 in der Hand hatte, machte ich  mich auf die Suche nach einem neuen Anbieter. Die Alternativen in meiner Wohngegend sind begrenzt, für schnelles herkömmliches DSL wohn ich zu weit von der nächsten Vermittlungsstelle entfernt, also sollte VDSL her. Der anscheinend einzige Anbieter, der das momentan schafft, ist die Telekom.

Mit einem Flyer “DSL-Wechsel” in der Hand klickte ich mich ins Netz und stellte meinen Wunschtarif zusammen. Als ich den dann in den Warenkorb legen wollte, sagte mir das System, das sei nicht möglich. Immerhin wurde mir eine Telefonnummer angezeigt, an die ich mich wenden sollte. Dort erklärte man mir, der Vorgang sei nicht möglich, da ja noch ein DSL auf meinem Anschluss geschaltet ist. Welch Überraschung, ich klick ja nicht umsonst ein Programm an, das “DSL-Wechsel” heißt.

Also musste ich meine Kündigungsbestätigung faxen (welch Uralt-Technologie), um überhaupt meinen Bestellwunsch abgeben zu können. Ich hoffe, dass das wiederholen der Internet-Konditionen auf der Bestellung zur Einhaltung der versprochenen Gutschriften führt. Schließlich hat man mir ja die Nutzung des Internets verwehrt.

Dann tat sich erstmal zwei Wochen lang nichts. Daher fragte ich lieber per Telefon nach, ob mein Fax angekommen ist. Man sagte mir, alles ist OK, der Router wird eine Woche vor Schaltungstermin versandt und die Bestätigung auch dann.

Inzwischen hab ich meine Bestellbestätigung zum 2. Nov. Auf der Kündigung von 1und1 steht allerdings der 29.Okt., also klafft da eine Lücke von drei Tagen. Am Telefon versicherte man mir nun, der alte Anbieter gibt den Port erst am 2. Nov frei. Ich bin also gespannt, wie lange mein altes DSL noch funktioniert.

Die neue Information ist nun, dass somit frühestens am 3. Nov. mein neues DSL schaltbar ist, aber die Schaltung auch bis zu sechs(!) Tagen dauern kann. Zudem wird erst herkömmliches DSL geschaltet und dann später erst VDSL. Für einen Eintrag in der Datenbank halt ich das für arg lange. Immerhin speist momentan die Telekom mein Internet im Auftrag von 1und1 ein. Ich glaube nicht, dass da irgendwer auch nur ein Kabel anfassen muss.

Aber so ist es auch wenigstens nicht so problematisch, dass mein neuer Router noch nicht versandt ist und “spätestens” am 4. Nov. ankommen soll. Da konnte ich dann wenigstens noch eine andere Lieferadresse angeben.

Somit verabschiede ich mich hier in die Versorgungslücke. Fällt bei meiner Blog-Häufigkeit aber eh nicht weiter auf.

Tschüss 1und1

Ich bin seit sechs Jahren bei 1und1 DSL-Kunde. Man könnte mich somit sicher als treuen Bestandskunden bezeichnen. Zwar wohne ich zu weit vom nächsten Telekom-Verteiler entfernt und bekomme nur 3 MBit/s Datenrate statt der bezahlten Kapazität, aber immerhin funktionierte mein DSL-Anschluss fast immer problemlos.

Dann startete 1und1 im Oktober vergangenen Jahres eine riesige Kampagne für VDSL. Schnelle 25 oder gar 50 MBit/s waren das Versprechen, nicht abhängig von der Entfernung zum DSL-Verteiler und nicht viel teurer als mein aktueller Tarif, bei dem das Analog-Telefon noch über die Telekom läuft. Ich war überzeugt, also wollte ich bestellen.

Am Telefon wurde ich vertröstet: VDSL sei zwar an meinem Standort technisch verfügbar, für Bestandskunden kann das Angebot jedoch noch nicht geschaltet werden. Aber es geht bald los. Ich registrierte meine E-Mail-Adresse, so dass man mich schnell kontaktieren könne, wenn es denn losgige. Statt einer E-Mail bekam ich nach Monaten einen seltsamen Anruf, der keine Neuigkeiten brachte, aber mich mehrmals aufforderte zu bestätigen, dass es OK sei, mich anzurufen (was ich nicht ohne Einschränkung tat).

Ich rief im Dezember an, im Januar, im Februar. Inzwischen hieß es, es handelt sich nur noch um wenige Tage, bis es los geht. Inzwischen ist es Juli. An der Vertragswechsel-Hotline gesteht mir eine Mitarbeiterin ein, sie könne VSDL leider immer noch nicht schalten, gab mir aber eine andere Telefonnummer unter der das ginge. Ich schöpfte ein weiteres Mal Hoffnung. Leider gab es dort auch nur die Auskunft, VDSL stehe weiterhin nur für Neukunden zur Verfügung, aber bald, bald ist es auch für Bestandskunden möglich.

Ich erinnere mich noch gut, als 1und1 vor einem halben Jahr mit Marcell D’Avis angetreten ist, kundenfreundlicher zu werden. Etwa zur gleichen Zeit heiß es, man wolle die Ungleichbehandlung von Bestands- und Neukunden aufheben. Zu merken war davon allerdings nicht viel. Einzig, dass die teuren Service-Rufnummern durch normale Nummern ersetzt wurden. Das allerdings auch nur auf Druck der Verbraucherschützer. Das Blog von Marcell D’Avis sieht mit etwa einem Artikel pro Monat auch nicht sehr geschäftig aus. Für mich bleibt der Eindruck hohler Werbe-Blasen.

Wie man an der Geschichte sieht, bin ich ein sehr geduldiger Mensch. Aber nach neun Monaten ist auch meine Geduld aufgebraucht. Die leeren Versprechen haben all ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ich hab die Nase voll. Wenn nur noch der Neukunde zählt, dann werd ich halt Neukunde – Woanders!

Und zuletzt wäre schon allein der Kündigungsvorgang bei 1und1 ein Kündigungsgrund. Bestellen kann man alles mit ein paar unkomplizierten Klicks. Aber was einem zur Kündigung abverlangt wird, halte ich allein schon für eine Frechheit:

  1. Kündigung wird nicht im normalen User-Portal angeboten, man muss sich ein ein eigenes “Vertragsverwaltungsportal” einloggen (wenn man es denn findet).
  2. Man gibt seine Kündigung ein und wird noch auf 5 Seiten gefragt, warum man den kündigt.
  3. Wenn man dann die Kündigung mit 3 Monaten Verzögerung bestätigt hat, bekommt man einen Code angezeigt, den man per Telefon einem Mitarbeiter durchsagen muss.
  4. Die Telefon-Hotline frag zuerst nach der Kundennummer, die im “Vertragsportal” nirgends mehr angezeigt wird. Entgegen der Ansage, kann man sie nicht per Telefon-Tastatur eingeben, sondern muss sie ansagen. Nimmt man das Angebot an, ohne Eingabe der Kundennummer weiterzumachen, wird man aus der Leitung gekickt.
  5. Der Mitarbeiter weist einen noch einmal darauf hin, welche “tollen Leistungen” man verliert und wünscht viel Glück, bei einem anderen Anbieter eine genauso schnelle Leitung zu bekommen. Welche Farce: Wenn ich innerhalb des 1und1-Angebots den DSL-Tarif gewechselt hätte, wäre ich von 3MBit/s auf 2MBit/s heruntergestuft worden.
  6. Der Mitarbeiter schaltet ein PDF-Formular auf der Webseite frei.
  7. Man muss das Formular ausdrucken, unterschreiben und innerhalb von sieben Tagen per Fax oder Brief an 1und1 schicken. Sonst verfällt die Kündigung

Ich hab das dann mal alles getan. Tschüss 1und1. Tschüss Marcell D’Avis.

CSD und Fotomarathon Berlin

Der 19. Juni war wieder so ein Tag, der magisch allerlei Veranstaltungen und Termine auf sich zieht. Darunter waren auch zwei, auf die ich mich schon länger gefreut habe: der CSD und der Fotomarathon.

Der Fotomarathon ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, innerhalb von 12 Stunden, 24 Themen in 24 Bildern fotografisch umzusetzen. Es gibt ein Rahmenthema, dass sich als roter Faden durch die Bilderserie ziehen soll und es sind während des Tages mehrere Stationen anzulaufen, an denen die jeweils nächsten Themen ausgegeben werden. Teilnehmen kann man allein oder im Team, egal ob man Profi oder Hobby-Fotograf ist. Die Sieger bestimmt eine Jury.

Wenn man sich überlegt, dass man an einem Nachmittag auch mal schnell 500 Bilder schießen kann, klingt das erst einmal einfach. Wenn man aber bedenkt, dass man in rund 30 Minuten eine Bildidee haben, den passenden Ort für die Umsetzung aufsuchen und das Thema in einem einzigen Foto umsetzen muss, wird es schon komplizierter. Zudem haben es die Themen auch in sich, denn sie sind oft eher abstrakte Begriffe, für die schon die Bildidee eine Herausforderung ist. Wenn dann der Kopf leer ist und die Füße lahmen, empfindet man den Begriff Marathon schnell als angemessen.

Das Rahmenthema beim diesjährigen 10. Fotomarathon war “Zeitreise” und sollte zurückschauen auf den ersten Marathon vor zwölf Jahren und die Entwicklung der Stadt. Die einzelnen Themen werde ich erst verraten, wenn ich die entstandenen Bilder veröffentliche. Am 17. Juli werden die Gewinner im Rahmen einer Ausstellung aller entstandenen Serien bekanntgegeben. Die Teams erhalten auch dann erst ihre abgegebenen Speicherkarten zurück.

So ein Marathon lässt einem normalerweise jedoch keine Zeit, eine Auszeit zu nehmen. Zum Glück hatte ich mit Alex und Mario ein großartiges Team, dass ich für ein paar Stunden verlassen konnte, um den CSD zu besuchen.

Der Christopher Street Day stand in diesem Jahr unter dem Motto “Normal ist anders!” und zog mit über 30 Paradewagen und hunderttausenden Teilnehmern vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor. Ich hatte das Gefühl, es waren etwas weniger Leute als im letzten Jahr, was vielleicht am kühlen Wetter gelegen haben könnte oder daran, dass die Wagen diesmal recht flott unterwegs waren.

Ich habe versucht, ein paar frische Eindrücke abzulichten, was mit den Jahren immer schwieriger zu werden scheint. Hier ein paar Ergebnisse, mehr gibt es auf Flickr:

Das gesamte Flickr-Foto-Set.

Im Reichstag mit Tauss

Am vergangenen Freitag führte Jörg Tauss (MdB) eine Besuchergruppe durch den Berliner Reichstag. Die Süddeutsche hat bereits die wichtigsten Fakten zusammengetragen. Trotzdem möchte ich hier meine persönliche Sicht auf das Ereignis wiedergeben und ein paar Bilder posten.

Das Paul-Löbe-Haus

Das Paul-Löbe-Haus

Ich hatte schon länger mal vor, mir den Reichstag nach der Modernisierung und dem Einzug des Bundestages anzuschauen. Allerdings war die Ankündigung der Führung auf Twitter die erste passende Gelegenheit, die es geschafft hat, in meine Wahrnehmung vorzudringen.

Ich überlegte zwar kurz, da Tauss mit den aktuellen Vorwürfen zum Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie nicht unumstritten ist. Allerdings finde ich einerseits die Vorverurteilung durch die Medien unerträglich und andererseits seine Stellungnahme zu den Vorwürfen glaubhaft. Ob dies nach deutschem Recht zulässig ist, muss am Ende ein Gericht klären, nicht die Presse.

Begrüßung durch Jörg Tauss

Begrüßung durch Jörg Tauss

Viel erschreckender finde ich jedoch, dass eine Familienministerin zur Durchsetzung ihrer Ziele Bilder von Kindesmissbrauch Journalisten vorführen darf, ohne Strafe fürchten zu müssen.

Zudem, wann hat man schon einmal die Gelegenheit, sich von ein langjährigen Mitglied des Bundestages durch das Gebäude führen zu lassen? Also meldete ich mich an.

Zunächst, ich bin kein Mitglied der Piratenpartei. Bei der Ankunft fühlte ich mich aber unter den vielen Piraten-T-Shirts schon ein wenig seltsam. Denn viele Piraten waren quer durch die Republik angereist, und nutzen die Begegnung mit dem prominenten Parteimitglied als Einstimmung auf die “Freiheit statt Angst” Demo am Samstag. Und das finde ich bemerkenswert, denn bei vielen Berlinern ist es mir nicht gelungen, sie zur Teilnahme zu motivieren, obwohl die Demo praktisch vor ihrer Haustür stattfand.

Im Paul-Löbe-Haus

Im Paul-Löbe-Haus

Als erste Etappe galt es, die Sicherheitskontrolle im Paul-Löbe-Haus zu passieren. Es machte sich ein wenig Flughafenstimmung breit, aber nach wenigen Minuten durften wir das Gebäude betreten. Hier gab es nun die offizielle Begrüßung. Zu meiner Freude war Fotografieren überall erlaubt. Ich habe trotzdem versucht, mich bei den Teilnehmern etwas zurück zu halten, da ich vermute, dass hier viele der Veröffentlichung des Bildes eher kritisch gegenüber stehen dürften.

Auf der Fraktionsebene

Auf der Fraktionsebene

Dann durften wir in einem Konferenzraum Platz nehmen, dem des Bildungsausschusses. Ein relativ zweckmäßig eingerichteter kleiner runder Saal mit Mikrofonen an jedem Platz und einer kleinen Klappe, die zwei Steckdosen und einen ISDN-Anschluss verbirgt. Hier erfuhren wie einiges interessantes über die Ausschussarbeit. Trotz seiner Mitgliedschaft in der Piratenpartei war die SPD ein ständiges Thema. Schließlich war sie für mehrere Jahrzehnte Tauss’ politische Heimat. Die Stimmung schwankte dabei allerdings zwischen ein wenig Wehmut über das Zerwürfnis und kleinen Sticheleien gegen die ehemaligen Parteigenossen.

Tauss zeigt den Piratenstuhl

Tauss zeigt den Piratenstuhl

So führte uns der Weg durch den Tunnel ins Reichstagsgebäude und nach mehreren Zwischenstops auch in den Fraktionssaal der SPD. Meine Beobachtung “Ich sehe hier keine Steckdosen” hat es sinngemäß in den SZ-Artikel geschafft, sollte aber eher als Einleitung zur Frage nach der generellen Nutzung von Laptops dienen. Dies scheinen die Abgeordneten sehr unterschiedlich zu halten. Nach Tauss’ Aussage gib es schon einige, die sie sehr intensiv nutzen. Allerdings müsse man immer im Vorhinein für gut geladenen Batterien sorgen. WLAN gib es im Reichstag nicht. Präsentationsmöglichkeiten sind wohl nur in den Ausschussräumen vorgesehen. Im Bundestag gilt immer noch das reine gesprochene Wort, auch wenn eine Grafik oft hilfreich wäre.

Es folgte ein Besuch auf der Zuschauertribüne des Plenarsaales, natürlich mit Besichtigung des einzeln stehenden Piratenstuhls. Als normaler Besucher darf man den Saal selbst nicht betreten. Somit bleibt eine letzte Hürde an diesem Politik-zum-Anfassen-Abend bestehen.

Die Reichstagskuppel

Die Reichstagskuppel

Letzte Station war die Reichstagskuppel. Durch einen Seitengang kamen wir ganz ohne Anstehen in den Besucherbereich. Nur unsere Taschen wurden noch einmal durchsucht. Und prompt gab es etwas zu beanstanden: Nachdem es Greepeace in der letzten Woche gelungen war, ein Transparent am Reichstag anzubringen, waren die Beamten etwas übervorsichtig und beschlagnahmten eine Piratenflagge.

Die neue Glaskuppel des Reichstages ist tatsächlich sehr beeindruckend, besonders im Dunkeln. Und obwohl mir mein neues lichtstarkes Alltagsobjektiv (Sigma 17-50 f/2.8) den Abend über gute Dienste geleistet hat, habe ich hier mein Stativ ein wenig vermisst. Aber wer weiß, wie die Security auf so etwas reagiert hätte. Und so besann ich mich auf den Satz von Chris Marquardt “Die Welt ist mein Stativ” und legte die Kamera so gut wie möglich aufs Geländer auf.

Spiegel zur Beleuchtung des Plenarsaales mit Tageslicht

Spiegel zur Beleuchtung des Plenarsaales mit Tageslicht

Der Abend endete beim Bier in einer nahe gelegenen Kneipe, wobei ich die Chance hatte den Rest der bunt gewürfelten Gruppe etwas genauer kennenzulernen. Ein netter Ausklang mit durchweg netten Menschen. Somit sind mir die Piraten noch ein Stück sympathischer geworden.

Ich habe noch ein paar weitere Bilder zu Flickr hochgeladen.

Nachtrag: Hier nochmal der Link zu den Bildern der “Löschen statt Sperren” Demo, bei der Tauss zur Piratenpartei übergetreten ist.

Digitale Videokabel

Heute mal eine ganz einfache Frage: Wie verbindet man einen Computer mit dem Monitor? Natürlich, mit einem Kabel. Aber mit welchem?

Seitdem die Flachbildschirme unsere Schreibtische erobert haben, hat das gute alte analoge VGA-Kabel ausgedient. Die Grafikkarte liefert ein digitales Signal, der Bildschirm stellt es digital dar: eine analoge Strecke dazwischen kann nur unnötige Qualitätsverluste bedeuten.

Der digitale Ersatz heißt Digitial Visual Interface, kurz DVI. Ein recht klobiger Stecker mit vielen Funktionen. So kann er z.B. auch weiterhin das analoge Signal weiterleiten (praktisch für Adapter nach VGA) oder auch zwei Monitor-Signale, die sogenannte Dual-Link-Variante. Und beim Begriff Variante beginnt das Unheil, denn jede davon definiert unterschiedlich viele Pins, die oft auch als unterschiedliche Stecker ausgeführt sind und damit leicht verhindern können, dass ein höherwertiges Kabel in eine weniger funktionale Buchse passt.

Der Unterhaltungsindustrie war das nicht nur zu kompliziert, sie störte vor allem, dass bei DVI kein Kopierschutz vorgeschrieben war. Denn so ein digitales hochauflösendes Monitor-Signal könnte man ja verlustfrei kopieren. Also quält man den Nutzer mit zwei weiteren Abkürzungen: HDMI, der Stecker, und HDCP, der Kopierschutz. Beim genaueren Hinsehen muss man aber sagen, dass HDMI nur den digitalen Teil von DVI auf einem anderen Stecker ist und HDCP auch schon auf DVI funktionierte. Die wirkliche Neuerung ist nur, dass der Kopierschutz zwingend vorgeschrieben ist. Würde mich aber alles nicht stören, wenn es denn in der Praxis so problemlos funktionieren würde, wie es die Instustrie behauptet.

Doch nicht genug der Kabel: Da DVI nun auch schon einige Jahre hinter sich hat und langsam – vor allem im Bereich extrem hochauflösender Displays – seine Schwachstellen zeigt, hat sich die VESA aufgemacht und einen neues rein digitales Übertragunsprotokoll standardisiert: DisplayPort. Größter Vorteil, es ist kein reiner Videokanal mehr, sondern ermöglicht auch die Rückübertragung von Signalen, die z.B. vom Touchscreen oder einer integrierten Kamera kommen. Passend dazu sieht der Stecker auch USB gar nicht so unähnlich. Na, das klingt doch mal praktisch, oder?

Zumindest in der Theorie. Denn während alle Hersteller von Grafikkarten und Monitoren an der Umsetzung von DisplayPort arbeiten, kommt eine nicht ganz so kleine Firma daher und stellt fest, dass dieser DisplayPort-Stecker für seine Notebooks viel zu groß ist. Und so definiert Apple Mini-DisplayPort und baut ihn in alle seine Geräte ein.

Und hier wird es nun wirklich lächerlich: Apple und auch Dritthersteller bauen Adapter von Mini-DisplayPort nach VGA und DVI, die echte Arbeit leisten, denn die Signale müssen komplett umgewandelt werden. Für den Apple-VGA-Adapter gab es kürzlich sogar ein Firmware-Update, das die Videoqualität verbessern soll. Jedoch gibt es bisher kein simples Kabel, das von Mini-DisplayPort auf normalen DisplayPort adaptiert. Und das, obwohl die Adern und Signale identisch sind, nur der Stecker ist verändert.

Also size ich hier nun mit meinem MacBook vor einem 30-Zoll Dell Display und soll mit für knapp hundert Euro einen Mini-DisplayPort nach Dual-Link-DVI kaufen, um die beiden Geräte miteinander betreiben zu können. Oder vielleicht lieber gleich ein Apple Cinema-Display? Klingt alles arg nach Geldschneiderei.

Ein ähnliches Problem haben übrigens MacPro besitzer, die ihren Computer unter dem Tisch stehen haben wollen. Denn die Kabel der neuen Apple-Displays sind sehr kurz. Und Verlängerungskabel gibt es für Mini-DisplayPort auch nicht.

Daher mein Appell: Liebe Kabel-Hersteller, bitte wacht auf! Hier gibt es echten Bedarf.

Update: Es ist gesichtet worden: das erste Mini-DisplayPort nach DisplayPort Kabel (via).

Barcelona

Nach mehreren Wochen hab ich es nun endlich geschafft, einige meiner Fotos vom der Dienstreise nach Barcelona auf Flickr zu laden. Ich hatte nur zwei Tage Freizeit im Anschluss an den GSMA Mobile World Congress. Die haben aber trotzdem ausgereicht, um meine Speicherkarten fast komplett mit Bildern zu füllen.

Unser Apartment war zwar ziemlich kalt und gewöhnungsbedürftig, ein Detail habe ich aber sofort ins Herz geschlossen: Im sehr engen Treppenhaus war ein alter hölzerner Fahrstuhl installiert. Hier das schon arg mitgenommene Bedienfeld:

Elevator

Für Ende Februar war das Wetter mit knapp 20 Grad Celsius durchaus angenehm und am Strand konnte man schon recht nett in der Sonne spazieren. Ins Wasser haben sich aber nur die Surfer getraut:

Surfer

An Sehenswürdigkeiten hat die Stadt viel zu bieten: von der historischen Altstadt über die zwei Hausberge Montjuïc und Tibidabo bis hin zur im Bau befindlichen Sagrada Familia, die ursprünglich von Antonio Gaudí entworfen wurde. Obwohl diese auch sehr fotogen ist, möchte ich hier lieber ein Foto der Seilbahn über den Hafen zeigen. Leider durfte ich wegen des Windes nur bis zum ersten Turm mitfahren, es war aber trotzdem sehr beeindruckend:

Harbour Teleferic

Mehr Bilder gibt es wie üblich im Flickr-Set.

Funkturm-Sprengung in Berlin Frohnau

Der Richtfunkmast in Frohnau war mit 358,6 Metern Berlins zweithöchstes Bauwerk. Er diente vor der deuschen Wiedervereinigung zur Übertragung von Telefonverbindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Wie Wikipedia bereits korrekt berichtet wird, wurde er heute um 13:09 Uhr gesprengt.

Man sollte meinen, dass ich als Kind der DDR wenig Beziehung zu diesem Symbol des “Klassenfeindes” haben sollte, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe ihn zwar früher nie direkt erreichen können, doch war er immer präsent. Wenn man sich dem Norden Berlins näherte, konnte man ihn von weither sehen. Als Kind wusste ich sofort, es ist nicht mehr weit, wir sind bald zu Hause.

Auch konnte ich den Turm direkt von meinem Kinderzimmerfenster aus sehen. Und dort blinkte er – immer gleich – vor sich hin und das hatte etwas beruhigendes. Es sagte, alles ist OK.

Daher bin ich auch heute gar nicht so sehr als Fotograf zur Sprengung gefahren, sondern viel mehr um mich von dem seltsamen Bauwerk zu verabschieden. Denn die Wahrscheinlichkeit, wirklich gute Fotos der wenigen Augenblicke zu bekommen, war ja doch eher gering.

Wobei die eigentlichen Probleme mir dann doch erst vor Ort auffielen. Ich hatte mir mit Google Maps einen netten Standpunkt gesucht. Den fanden aber auch genügend andere Schaulustige, die ein ganz schönes Verkehrschaos verursachten, durch das ich nur sehr knapp vor dem Sprengzeitpunkt dort eintraf.

Allerdings, in welche Richtung sollte der Tum eigentlich fallen? Wie sich herausstellte natürlich genau entlang meiner Sichtachse, so dass ich ihn praktisch nur in sich zusammenfallen sehen konnte. Schöner wäre natürlich der Blick von der Seite gewesen. Aber das ließ sich vorher nicht recherchieren.

Zweites Problem: Wann wird denn genau gesprengt? Eine Frage, die nur die Sprengleitung hätte beantworten können. Somit hieß es, die Kamera bereit zu machen und zu warten, bis man etwas sieht.

Da das Fallen der Turmes nur einige Sekunden dauern würde, stellte ich die Serienbildfunktion ein. Was ich überhaupt nicht bedachte, war die Anzahl der Bilder, die die Kamera im Speicher halten kann, bevor sie sie auf die CF-Karte schreibt. Bei meiner Canon EOS 400D sind das im RAW-Modus nur zwölf. Hätte ich auf JPEG in höchster Auflösung gestellt, hätte ich rund 40 mal auslösen können. Da ich aber in kurzen Salven gefeuert habe, fehlt mir praktisch nur eine Auslösung, die ich noch gern gemacht hatte. Und so hab ich die volle RAW-Qualität.

Eine kurze Umfrage unter den anwesenden Fotografen ergab, dass ich aber nicht als einziger diesen Fehler gemacht habe. Und damit kommen wir eigentlich auch zu dem Punkt, den ich viel interessanter fand: die Leute und ihre Ausrüstung. Ich habe selten so viele Film- und Fotokameras gesehen – von ganz einfachen Modellen bis hin zur Profi-Ausstattung. Die Mehrzahl aber im Amateur-Spiegelreflex-Bereich. Ein deutliches Zeichen, wie sehr sich die DSLRs durchsetzen. Manch Besitzer einer Kompaktkamera wird aber sicher auch die schmerzliche Erfahrung gemacht haben, dass seine Kamera langsamer auslöst, als der Turm fällt.

Den größten Stau gab es dann natürlich als alle gleichzeitig wieder losfahren wollten. Tip am Rande: erstmal einen Kaffe trinken gehen und die anderen an der Ampel anstehen lassen. Allerdings muss man dazu wissen, wo der einzige Gasthof im Ort ist.

Das komplette Fotoset gibt es auf Flickr.