Tag Archive for 'Apple'

Digitale Videokabel

Heute mal eine ganz einfache Frage: Wie verbindet man einen Computer mit dem Monitor? Natürlich, mit einem Kabel. Aber mit welchem?

Seitdem die Flachbildschirme unsere Schreibtische erobert haben, hat das gute alte analoge VGA-Kabel ausgedient. Die Grafikkarte liefert ein digitales Signal, der Bildschirm stellt es digital dar: eine analoge Strecke dazwischen kann nur unnötige Qualitätsverluste bedeuten.

Der digitale Ersatz heißt Digitial Visual Interface, kurz DVI. Ein recht klobiger Stecker mit vielen Funktionen. So kann er z.B. auch weiterhin das analoge Signal weiterleiten (praktisch für Adapter nach VGA) oder auch zwei Monitor-Signale, die sogenannte Dual-Link-Variante. Und beim Begriff Variante beginnt das Unheil, denn jede davon definiert unterschiedlich viele Pins, die oft auch als unterschiedliche Stecker ausgeführt sind und damit leicht verhindern können, dass ein höherwertiges Kabel in eine weniger funktionale Buchse passt.

Der Unterhaltungsindustrie war das nicht nur zu kompliziert, sie störte vor allem, dass bei DVI kein Kopierschutz vorgeschrieben war. Denn so ein digitales hochauflösendes Monitor-Signal könnte man ja verlustfrei kopieren. Also quält man den Nutzer mit zwei weiteren Abkürzungen: HDMI, der Stecker, und HDCP, der Kopierschutz. Beim genaueren Hinsehen muss man aber sagen, dass HDMI nur den digitalen Teil von DVI auf einem anderen Stecker ist und HDCP auch schon auf DVI funktionierte. Die wirkliche Neuerung ist nur, dass der Kopierschutz zwingend vorgeschrieben ist. Würde mich aber alles nicht stören, wenn es denn in der Praxis so problemlos funktionieren würde, wie es die Instustrie behauptet.

Doch nicht genug der Kabel: Da DVI nun auch schon einige Jahre hinter sich hat und langsam – vor allem im Bereich extrem hochauflösender Displays – seine Schwachstellen zeigt, hat sich die VESA aufgemacht und einen neues rein digitales Übertragunsprotokoll standardisiert: DisplayPort. Größter Vorteil, es ist kein reiner Videokanal mehr, sondern ermöglicht auch die Rückübertragung von Signalen, die z.B. vom Touchscreen oder einer integrierten Kamera kommen. Passend dazu sieht der Stecker auch USB gar nicht so unähnlich. Na, das klingt doch mal praktisch, oder?

Zumindest in der Theorie. Denn während alle Hersteller von Grafikkarten und Monitoren an der Umsetzung von DisplayPort arbeiten, kommt eine nicht ganz so kleine Firma daher und stellt fest, dass dieser DisplayPort-Stecker für seine Notebooks viel zu groß ist. Und so definiert Apple Mini-DisplayPort und baut ihn in alle seine Geräte ein.

Und hier wird es nun wirklich lächerlich: Apple und auch Dritthersteller bauen Adapter von Mini-DisplayPort nach VGA und DVI, die echte Arbeit leisten, denn die Signale müssen komplett umgewandelt werden. Für den Apple-VGA-Adapter gab es kürzlich sogar ein Firmware-Update, das die Videoqualität verbessern soll. Jedoch gibt es bisher kein simples Kabel, das von Mini-DisplayPort auf normalen DisplayPort adaptiert. Und das, obwohl die Adern und Signale identisch sind, nur der Stecker ist verändert.

Also size ich hier nun mit meinem MacBook vor einem 30-Zoll Dell Display und soll mit für knapp hundert Euro einen Mini-DisplayPort nach Dual-Link-DVI kaufen, um die beiden Geräte miteinander betreiben zu können. Oder vielleicht lieber gleich ein Apple Cinema-Display? Klingt alles arg nach Geldschneiderei.

Ein ähnliches Problem haben übrigens MacPro besitzer, die ihren Computer unter dem Tisch stehen haben wollen. Denn die Kabel der neuen Apple-Displays sind sehr kurz. Und Verlängerungskabel gibt es für Mini-DisplayPort auch nicht.

Daher mein Appell: Liebe Kabel-Hersteller, bitte wacht auf! Hier gibt es echten Bedarf.

Update: Es ist gesichtet worden: das erste Mini-DisplayPort nach DisplayPort Kabel (via).

Der Apple-Hype

Ich kann ihn nicht verstehen: Den Hype, der in letzter Zeit um alle Apple-Produkte gemacht wird. Dass, wenn Apple einen Store in München eröffnet, mehrere Tausend Leute vor der Tür stehen und Einlass begehren. Oder dass ein Sprecher von Barack Obama mitteilen muss, der neu gewählte US-Präsident besitzt einen iPod. Schließlich konnte man auch vorher Apple-Produkte in Deutschland kaufen (z.B. bei Gravis, deren neuer Flagship-Store am Ernst-Reuter-Platz in Berlin einem originalen Apple-Store gar nicht unähnlich ist, nur dass er nicht ganz so voll wie jeder Apple-Laden, den ich in USA betreten habe) und es gibt wahrscheinlich hunderte verschiedene Fabrikate von MP3-Playern (z.B. auch Microsofts Zune-Player, dessen Besitz Obama von Apple-Anhängern vorgeworfen wurde).

Ich verstehe schon, dass Apple momentan einige Dinge richtig macht, die andere so nicht hinbekommen. Aber letztendlich ist ein Mac auch nur ein Computer, der genauso Macken hat, wie jeder andere (gut nachzuhören in wahrscheinlich jedem Mac-Podcast, ich möchte hier mal exemplarisch MobileMacs erwähnen, da Tim sich immer so schön aufregen kann). Nur hat es Microsoft nie geschafft, ein cooles Image aufzubauen oder die Kisten stylisch aussehen zu lassen. Dazu kommt, mit Vista als letztem Windows-Update kamen nur neue Probleme und Gängeleien für den Benutzer.

Auch das iPhone ist schick. Gar kein Zweifel. Meiner Meinung nach das erste Gerät, mit dem man mobiles Internet auch echt benutzen kann. Um Längen meinem Windows-Mobile PDA voraus. Aber auch nur ein paar wenige Schlüsselelemente, die Apple der Konkurrenz voraus hat: klares User-Interface, Muti-Touch-Bildschirm und die Reduktion auf wenige Schlüsselfunktionen (die erst durch den AppStore aufgeweicht wurde). Aber auch eindeutig ein Vorteil, den man bei einer kompletten Neuentwicklung hat: Kein anderer Telefonhersteller wäre in der Lage gewesen, ein so radikal anderes Modell zu entwerfen. Von den vielen vergangenen Jahren sind da einfach zu viele Altlasten angestaut, einerseits in den Köpfen, andererseits in den Budgets. Wer will es denn riskieren, dem Kunden etwas völlig unbekanntes vorzusetzen? Ein unkalkulierbares Risiko! Und das Budget reicht wahrscheinlich eh nur aus, um dem letzten Modell ein paar zusätzlich Funktionen dranzupacken. Und genau so sehen die Telefone der Mitbewerber aus.

Aber letztendlich halte ich das alles eher nur für geringe Vorsprünge, die genauso von anderen Systemen aufgeholt werden könnten, wenn jemand mutig genug wäre, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und Kritikpunkte an Apple gibt es ja auch nicht wenige: nicht austauschbare Akkus, NDAs, unvorhersehbare AppStore-Politik, DRM, etc. Momentan ist wohl Steve Jobs der Mann, der den Nerv der Zeit am besten trifft. Wie wacklig das ist, zeigt sich bei jeder Spekulation um seinen Gesundheitszustand, die den Apple-Aktienkurs auf Talfahrt schickt. Hoffentlich holt er sich keine Erkältung!

Bleibt mir nur noch, mit der wenig bissigen (M)Apple-Kritik der Simpsons zu schließen, die zumindest ein bisschen mit dem Hype aufräumt: