Archive for the 'Fotografie' Category

Feuer auf dem Gendarmenmarkt

Wie zuvor erwähnt, hat sich der Berliner im siebenten Jahr bereits ans Festival of Lights gewöhnt. Daher hab ich auch zunächst gezögert, meine Kamera zu greifen und loszufahren. Also suchte ich nach neuen Motiven, die ich so zuvor noch nicht fotografiert hatte. Nachdem ich die “Wächter der Zeit” an der Siegessäule aufgesucht und die Menschenmassen am Brandenburger Tor links liegen gelassen hatte, kam ich auf meinem Weg zum Gendarmenmarkt.

Schnell wurde mein Blick von einem mit brennenden Schalen abgesperrten Bereich vor dem Deutschen Dom angezogen. Dort begannen gerade einige Künstler mit ihrer Darbietung, die schnell eine Menge Zuschauer (vor allem Fotografen) anzog. Aus dem Internet weiß ich nun, dass der korrekte Begriff für das, was ich dort miterleben durfte, Poi-Spiel ist, genauer gesagt Feuerpoi. Dabei werden brennende Objekte an Ketten in verschiedenen Figuren um den Körper rotiert, was unglaublich beeindruckend aussieht. Aber was rede ich hier lange, so sieht es aus:

Künstler: Björn Glaesmann, Atman B. Wiska

Später hatte ich Gelegenheit, mich kurz mit Björn Glaesmann (auf dem oberen Bild vorn) zu unterhalten. Bei dem noch recht warmen Wetter hatten sich die Spieler wohl recht spontan entschieden, die außergewöhnliche Kulisse des Festivals für einen Auftritt zu nutzen. Das war sowohl für sie ein tolles Erlebnis, wie auch für die zahlreichen Fotografen, die zum Festival unterwegs waren. Als Nebeneffekt würden sicher auch ein paar gute Fotos entstehen. Einziger Haken: die Fotografen waren alle so mit ihren Kameras beschäftigt, dass kaum Applaus gespendet werden konnte.

Für mich war die Show das absolute Highlight des gesamten Festivals und ich war echt froh, mich doch aufgerafft zu haben. Somit bin ich auch gern dem Wunsch nachgekommen, meine Bilder zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug bedanke ich mich hier für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Björns Show findet man übrigens unter www.flow-of-fire.com.

Künstler: Björn Glaesmann

Von fotografischer Seite war der Abend durchaus eine Herausforderung: Einerseits will man lange Belichtungszeiten benutzen, um möglichst lange Feuerspuren zu erzeugen, andererseits sieht man dann nur noch unscharfe Schatten der Personen, da sich die Spieler sehr schnell bewegen. Ein großes Blitzsetup zum Einfrieren der Bewegung hatte ich natürlich nicht in der Tasche. Und im Vergleich zum umgebenden Licht ist das Feuer auch sehr hell, so dass man aufpassen muss, die Spuren nicht völlig überzubelichten.

Somit blieb nur viel Abwägen und Ausprobieren, die richtige Balance zu finden. Die Bilder hier liegen zwischen 1/5 und 1,3 Sekunden. Manueller Modus, der Automatik hab ich hier von Anfang an nicht vertraut. Komplette EXIF-Daten gibt es bei Flickr (per Klick auf die Bilder).

Künstler: Atman B. Wiska

Festival of Lights 2011

In diesem Jahr fand in Berlin bereits zum siebenten Mal das Festival of Lights statt. Für viele Touristen ist das ein Highlight und die Fotografen stehen sich quasi gegenseitig auf den Füßen, um das beste Bild mit nach Hause zu nehmen.

Für die Berliner setzt aber inzwischen der Gewöhnungseffekt ein. Viele der Illuminationen gab es so oder so ähnlich schon im letzten Jahr oder davor. Zudem nimmt die Kommerzialisierung zu, was sich wahrscheinlich nicht vermeiden lässt, aber insbesondere dann stört, wenn die Illumination nur noch eine einzige Werbefläche ist.

Trotzdem hab ich wieder zur Kamera gegriffen und versucht, ein paar Bilder zu machen, die vorher noch nicht so da waren. Und wenn man genau hinschaut, sieht man auch neue, sehr schicke Installationen wie die kleinen beleuchteten Schiffchen am Potsdamer Platz:

Ich war kurz davor, mich über die Baustelle Unter den Linden zu ärgern, wo ich vor zwei Jahren mein am meisten auf Flickr betrachtetes Bild geschossen hab. Dann fiel mir ein, dass man diese ja auch zum Motiv machen kann. Herausgekommen ist wohl mein Lieblingsbild in diesem Jahr:

Ich frage mich ja immer, was mit den ganzen Fotos passiert, die in diesen zwei Wochen geschossen werden. Wird sie jemals eine Person außer dem Fotografen selbst zu Gesicht bekommen? Werden sie schnell in Vergessenheit geraten?

Die besten meiner Bilder gibt es jedenfalls auf Flickr.

PS: Für ein besonderes Highlight habe ich noch einen eigenen Artikel vorgesehen.

CSD und Fotomarathon Berlin

Der 19. Juni war wieder so ein Tag, der magisch allerlei Veranstaltungen und Termine auf sich zieht. Darunter waren auch zwei, auf die ich mich schon länger gefreut habe: der CSD und der Fotomarathon.

Der Fotomarathon ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, innerhalb von 12 Stunden, 24 Themen in 24 Bildern fotografisch umzusetzen. Es gibt ein Rahmenthema, dass sich als roter Faden durch die Bilderserie ziehen soll und es sind während des Tages mehrere Stationen anzulaufen, an denen die jeweils nächsten Themen ausgegeben werden. Teilnehmen kann man allein oder im Team, egal ob man Profi oder Hobby-Fotograf ist. Die Sieger bestimmt eine Jury.

Wenn man sich überlegt, dass man an einem Nachmittag auch mal schnell 500 Bilder schießen kann, klingt das erst einmal einfach. Wenn man aber bedenkt, dass man in rund 30 Minuten eine Bildidee haben, den passenden Ort für die Umsetzung aufsuchen und das Thema in einem einzigen Foto umsetzen muss, wird es schon komplizierter. Zudem haben es die Themen auch in sich, denn sie sind oft eher abstrakte Begriffe, für die schon die Bildidee eine Herausforderung ist. Wenn dann der Kopf leer ist und die Füße lahmen, empfindet man den Begriff Marathon schnell als angemessen.

Das Rahmenthema beim diesjährigen 10. Fotomarathon war “Zeitreise” und sollte zurückschauen auf den ersten Marathon vor zwölf Jahren und die Entwicklung der Stadt. Die einzelnen Themen werde ich erst verraten, wenn ich die entstandenen Bilder veröffentliche. Am 17. Juli werden die Gewinner im Rahmen einer Ausstellung aller entstandenen Serien bekanntgegeben. Die Teams erhalten auch dann erst ihre abgegebenen Speicherkarten zurück.

So ein Marathon lässt einem normalerweise jedoch keine Zeit, eine Auszeit zu nehmen. Zum Glück hatte ich mit Alex und Mario ein großartiges Team, dass ich für ein paar Stunden verlassen konnte, um den CSD zu besuchen.

Der Christopher Street Day stand in diesem Jahr unter dem Motto “Normal ist anders!” und zog mit über 30 Paradewagen und hunderttausenden Teilnehmern vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor. Ich hatte das Gefühl, es waren etwas weniger Leute als im letzten Jahr, was vielleicht am kühlen Wetter gelegen haben könnte oder daran, dass die Wagen diesmal recht flott unterwegs waren.

Ich habe versucht, ein paar frische Eindrücke abzulichten, was mit den Jahren immer schwieriger zu werden scheint. Hier ein paar Ergebnisse, mehr gibt es auf Flickr:

Das gesamte Flickr-Foto-Set.

Im Reichstag mit Tauss

Am vergangenen Freitag führte Jörg Tauss (MdB) eine Besuchergruppe durch den Berliner Reichstag. Die Süddeutsche hat bereits die wichtigsten Fakten zusammengetragen. Trotzdem möchte ich hier meine persönliche Sicht auf das Ereignis wiedergeben und ein paar Bilder posten.

Das Paul-Löbe-Haus

Das Paul-Löbe-Haus

Ich hatte schon länger mal vor, mir den Reichstag nach der Modernisierung und dem Einzug des Bundestages anzuschauen. Allerdings war die Ankündigung der Führung auf Twitter die erste passende Gelegenheit, die es geschafft hat, in meine Wahrnehmung vorzudringen.

Ich überlegte zwar kurz, da Tauss mit den aktuellen Vorwürfen zum Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie nicht unumstritten ist. Allerdings finde ich einerseits die Vorverurteilung durch die Medien unerträglich und andererseits seine Stellungnahme zu den Vorwürfen glaubhaft. Ob dies nach deutschem Recht zulässig ist, muss am Ende ein Gericht klären, nicht die Presse.

Begrüßung durch Jörg Tauss

Begrüßung durch Jörg Tauss

Viel erschreckender finde ich jedoch, dass eine Familienministerin zur Durchsetzung ihrer Ziele Bilder von Kindesmissbrauch Journalisten vorführen darf, ohne Strafe fürchten zu müssen.

Zudem, wann hat man schon einmal die Gelegenheit, sich von ein langjährigen Mitglied des Bundestages durch das Gebäude führen zu lassen? Also meldete ich mich an.

Zunächst, ich bin kein Mitglied der Piratenpartei. Bei der Ankunft fühlte ich mich aber unter den vielen Piraten-T-Shirts schon ein wenig seltsam. Denn viele Piraten waren quer durch die Republik angereist, und nutzen die Begegnung mit dem prominenten Parteimitglied als Einstimmung auf die “Freiheit statt Angst” Demo am Samstag. Und das finde ich bemerkenswert, denn bei vielen Berlinern ist es mir nicht gelungen, sie zur Teilnahme zu motivieren, obwohl die Demo praktisch vor ihrer Haustür stattfand.

Im Paul-Löbe-Haus

Im Paul-Löbe-Haus

Als erste Etappe galt es, die Sicherheitskontrolle im Paul-Löbe-Haus zu passieren. Es machte sich ein wenig Flughafenstimmung breit, aber nach wenigen Minuten durften wir das Gebäude betreten. Hier gab es nun die offizielle Begrüßung. Zu meiner Freude war Fotografieren überall erlaubt. Ich habe trotzdem versucht, mich bei den Teilnehmern etwas zurück zu halten, da ich vermute, dass hier viele der Veröffentlichung des Bildes eher kritisch gegenüber stehen dürften.

Auf der Fraktionsebene

Auf der Fraktionsebene

Dann durften wir in einem Konferenzraum Platz nehmen, dem des Bildungsausschusses. Ein relativ zweckmäßig eingerichteter kleiner runder Saal mit Mikrofonen an jedem Platz und einer kleinen Klappe, die zwei Steckdosen und einen ISDN-Anschluss verbirgt. Hier erfuhren wie einiges interessantes über die Ausschussarbeit. Trotz seiner Mitgliedschaft in der Piratenpartei war die SPD ein ständiges Thema. Schließlich war sie für mehrere Jahrzehnte Tauss’ politische Heimat. Die Stimmung schwankte dabei allerdings zwischen ein wenig Wehmut über das Zerwürfnis und kleinen Sticheleien gegen die ehemaligen Parteigenossen.

Tauss zeigt den Piratenstuhl

Tauss zeigt den Piratenstuhl

So führte uns der Weg durch den Tunnel ins Reichstagsgebäude und nach mehreren Zwischenstops auch in den Fraktionssaal der SPD. Meine Beobachtung “Ich sehe hier keine Steckdosen” hat es sinngemäß in den SZ-Artikel geschafft, sollte aber eher als Einleitung zur Frage nach der generellen Nutzung von Laptops dienen. Dies scheinen die Abgeordneten sehr unterschiedlich zu halten. Nach Tauss’ Aussage gib es schon einige, die sie sehr intensiv nutzen. Allerdings müsse man immer im Vorhinein für gut geladenen Batterien sorgen. WLAN gib es im Reichstag nicht. Präsentationsmöglichkeiten sind wohl nur in den Ausschussräumen vorgesehen. Im Bundestag gilt immer noch das reine gesprochene Wort, auch wenn eine Grafik oft hilfreich wäre.

Es folgte ein Besuch auf der Zuschauertribüne des Plenarsaales, natürlich mit Besichtigung des einzeln stehenden Piratenstuhls. Als normaler Besucher darf man den Saal selbst nicht betreten. Somit bleibt eine letzte Hürde an diesem Politik-zum-Anfassen-Abend bestehen.

Die Reichstagskuppel

Die Reichstagskuppel

Letzte Station war die Reichstagskuppel. Durch einen Seitengang kamen wir ganz ohne Anstehen in den Besucherbereich. Nur unsere Taschen wurden noch einmal durchsucht. Und prompt gab es etwas zu beanstanden: Nachdem es Greepeace in der letzten Woche gelungen war, ein Transparent am Reichstag anzubringen, waren die Beamten etwas übervorsichtig und beschlagnahmten eine Piratenflagge.

Die neue Glaskuppel des Reichstages ist tatsächlich sehr beeindruckend, besonders im Dunkeln. Und obwohl mir mein neues lichtstarkes Alltagsobjektiv (Sigma 17-50 f/2.8) den Abend über gute Dienste geleistet hat, habe ich hier mein Stativ ein wenig vermisst. Aber wer weiß, wie die Security auf so etwas reagiert hätte. Und so besann ich mich auf den Satz von Chris Marquardt “Die Welt ist mein Stativ” und legte die Kamera so gut wie möglich aufs Geländer auf.

Spiegel zur Beleuchtung des Plenarsaales mit Tageslicht

Spiegel zur Beleuchtung des Plenarsaales mit Tageslicht

Der Abend endete beim Bier in einer nahe gelegenen Kneipe, wobei ich die Chance hatte den Rest der bunt gewürfelten Gruppe etwas genauer kennenzulernen. Ein netter Ausklang mit durchweg netten Menschen. Somit sind mir die Piraten noch ein Stück sympathischer geworden.

Ich habe noch ein paar weitere Bilder zu Flickr hochgeladen.

Nachtrag: Hier nochmal der Link zu den Bildern der “Löschen statt Sperren” Demo, bei der Tauss zur Piratenpartei übergetreten ist.

Barcelona

Nach mehreren Wochen hab ich es nun endlich geschafft, einige meiner Fotos vom der Dienstreise nach Barcelona auf Flickr zu laden. Ich hatte nur zwei Tage Freizeit im Anschluss an den GSMA Mobile World Congress. Die haben aber trotzdem ausgereicht, um meine Speicherkarten fast komplett mit Bildern zu füllen.

Unser Apartment war zwar ziemlich kalt und gewöhnungsbedürftig, ein Detail habe ich aber sofort ins Herz geschlossen: Im sehr engen Treppenhaus war ein alter hölzerner Fahrstuhl installiert. Hier das schon arg mitgenommene Bedienfeld:

Elevator

Für Ende Februar war das Wetter mit knapp 20 Grad Celsius durchaus angenehm und am Strand konnte man schon recht nett in der Sonne spazieren. Ins Wasser haben sich aber nur die Surfer getraut:

Surfer

An Sehenswürdigkeiten hat die Stadt viel zu bieten: von der historischen Altstadt über die zwei Hausberge Montjuïc und Tibidabo bis hin zur im Bau befindlichen Sagrada Familia, die ursprünglich von Antonio Gaudí entworfen wurde. Obwohl diese auch sehr fotogen ist, möchte ich hier lieber ein Foto der Seilbahn über den Hafen zeigen. Leider durfte ich wegen des Windes nur bis zum ersten Turm mitfahren, es war aber trotzdem sehr beeindruckend:

Harbour Teleferic

Mehr Bilder gibt es wie üblich im Flickr-Set.

Funkturm-Sprengung in Berlin Frohnau

Der Richtfunkmast in Frohnau war mit 358,6 Metern Berlins zweithöchstes Bauwerk. Er diente vor der deuschen Wiedervereinigung zur Übertragung von Telefonverbindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Wie Wikipedia bereits korrekt berichtet wird, wurde er heute um 13:09 Uhr gesprengt.

Man sollte meinen, dass ich als Kind der DDR wenig Beziehung zu diesem Symbol des “Klassenfeindes” haben sollte, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe ihn zwar früher nie direkt erreichen können, doch war er immer präsent. Wenn man sich dem Norden Berlins näherte, konnte man ihn von weither sehen. Als Kind wusste ich sofort, es ist nicht mehr weit, wir sind bald zu Hause.

Auch konnte ich den Turm direkt von meinem Kinderzimmerfenster aus sehen. Und dort blinkte er – immer gleich – vor sich hin und das hatte etwas beruhigendes. Es sagte, alles ist OK.

Daher bin ich auch heute gar nicht so sehr als Fotograf zur Sprengung gefahren, sondern viel mehr um mich von dem seltsamen Bauwerk zu verabschieden. Denn die Wahrscheinlichkeit, wirklich gute Fotos der wenigen Augenblicke zu bekommen, war ja doch eher gering.

Wobei die eigentlichen Probleme mir dann doch erst vor Ort auffielen. Ich hatte mir mit Google Maps einen netten Standpunkt gesucht. Den fanden aber auch genügend andere Schaulustige, die ein ganz schönes Verkehrschaos verursachten, durch das ich nur sehr knapp vor dem Sprengzeitpunkt dort eintraf.

Allerdings, in welche Richtung sollte der Tum eigentlich fallen? Wie sich herausstellte natürlich genau entlang meiner Sichtachse, so dass ich ihn praktisch nur in sich zusammenfallen sehen konnte. Schöner wäre natürlich der Blick von der Seite gewesen. Aber das ließ sich vorher nicht recherchieren.

Zweites Problem: Wann wird denn genau gesprengt? Eine Frage, die nur die Sprengleitung hätte beantworten können. Somit hieß es, die Kamera bereit zu machen und zu warten, bis man etwas sieht.

Da das Fallen der Turmes nur einige Sekunden dauern würde, stellte ich die Serienbildfunktion ein. Was ich überhaupt nicht bedachte, war die Anzahl der Bilder, die die Kamera im Speicher halten kann, bevor sie sie auf die CF-Karte schreibt. Bei meiner Canon EOS 400D sind das im RAW-Modus nur zwölf. Hätte ich auf JPEG in höchster Auflösung gestellt, hätte ich rund 40 mal auslösen können. Da ich aber in kurzen Salven gefeuert habe, fehlt mir praktisch nur eine Auslösung, die ich noch gern gemacht hatte. Und so hab ich die volle RAW-Qualität.

Eine kurze Umfrage unter den anwesenden Fotografen ergab, dass ich aber nicht als einziger diesen Fehler gemacht habe. Und damit kommen wir eigentlich auch zu dem Punkt, den ich viel interessanter fand: die Leute und ihre Ausrüstung. Ich habe selten so viele Film- und Fotokameras gesehen – von ganz einfachen Modellen bis hin zur Profi-Ausstattung. Die Mehrzahl aber im Amateur-Spiegelreflex-Bereich. Ein deutliches Zeichen, wie sehr sich die DSLRs durchsetzen. Manch Besitzer einer Kompaktkamera wird aber sicher auch die schmerzliche Erfahrung gemacht haben, dass seine Kamera langsamer auslöst, als der Turm fällt.

Den größten Stau gab es dann natürlich als alle gleichzeitig wieder losfahren wollten. Tip am Rande: erstmal einen Kaffe trinken gehen und die anderen an der Ampel anstehen lassen. Allerdings muss man dazu wissen, wo der einzige Gasthof im Ort ist.

Das komplette Fotoset gibt es auf Flickr.

Spyder 3 Elite – Erster Eindruck

Nach diversen Irrungen, aus denen eine Wartezeit von 2 Monaten resultierte, hatte ich endlich am Freitag die neue Version des Spyder von Datacolor auf meinem Büroschreibtisch liegen.

Der Spyder ist ein Farbmessgerät (Kolorimeter), mit dem man die Darstellung des Monitors, Projektors oder Druckers kalibrieren kann, um mittels eines erzeugten Farbprofils die bestmögliche Darstellung des Farbraumes zu erhalten. Sehr praktisch, da dadurch der Ausdruck später genauso aussieht, wie die Darstellung am Bildschirm.

Der Sypder 3 Elite tritt die Nachfolge des Spyder 2 Pro an und kann Monitore und Projektoren kalibrieren. Neben Verbesserungen am Farbsensor (laut Hersteller größere Fläche und höhere Genauigkeit) kann das Gerät nun das Umgebungslicht messen und – wenn man es am Computer angeschlossen lässt – die Anzeige ständig dran anpassen.

Im ersten Test erscheint mir die Farbmessung tatsächlich ein wenig besser. Auf meinem großen Dell-Display sehe ich kaum Unterschiede, aber auf einem etwas farbstichiger HP-LCD und einem älterer Röhrenmonitor erscheinen die Farben realistischer. Auch sehr positiv ist mir aufgefallen, dass in meinem Dualmonitor-Setup jetzt endlich die beiden Monitore korrekt erkannt werden und beim Systemstart das passende Profil geladen wird. In der alten Software musste ich da nach jedem Reboot von Hand nachhelfen.

Nur die Stabilität am Monitor lässt etwas zu wünschen übrig. An die Stelle von 3 Saugnäpfen am Spyder 2, die das Kolorimeter gut am Monitor festgehalten haben, ist jetzt ein einziger getreten. Da das Kabel auf der gegenüberliegenden Seite des Saugnapfes angebracht ist, ist es leider auch nicht möglich, den Spyder durch das Gegengewicht am Kabel zu stabilisieren. In der Anleitung findet sich dann auch der Hinweis, dass man den Spyder entweder per Saugnapf oder per Gegengewicht anbringen soll. Beides funktionierte bei mir nicht wirklich zufriedenstellend, so dass ich letztendlich das Gerät während der Kalibrierung ein wenig mit dem Finger oberhalb des Saugnapfes an den Monitor drückte. Das ging ganz gut, aber vielleicht hab ich ja hier noch etwas übersehen, und ich finde noch eine bessere Variante. Immerhin hat sich auch die Kalibrierungszeit etwas reduziert, so dass der Vorgang beendet ist, bevor der Finger zu sehr ermüdet.

9. Berliner Fotomarathon

Bereits am 30. August fand der 9. Berliner Fotomarathon statt, an dem ich zusammen mit Alex N. teilgenommen hab. Aufgabe war es, innerhalb von 12 Stunden 24 Motive abzulichten. Klingt erstmal einfach, aber die vorgegebenen Themen für jedes Motiv war schon recht knifflig. Oberthema der ganzen Serie war “XY Ungelöst” nach der bekannten Fernsehsendung. Somit drehten sich dann auch die Einzelaufgaben, die im 3-Stunden-Takt ausgegeben wurden, rund um einen Kriminalfall, z.B. “Entdecken”, “Heiße Spur” oder “Tatort”. Schwierig wurde es bei eher abstrakten Konzepten wie “Wahn”, “Querdenken” oder “Zufall”. Oder ganz einfach dem Problem “Nacht- und Nebelaktion” nachmittags um drei abzulichten. Aber genau diese Herausforderung war es, die am meisten Spaß gemacht hat.

Hier nochmal vielen Dank an Alex, der mich mich nicht nur mit seinen guten Ideen vor der Verzweiflung bewahrt, sondern uns auch sicher quer durch die Stadt gefahren hat. Unsere Umsetzung der Aufgaben kann man mit dem Thema als jeweiligem Titel bei Flickr bestaunen, oder auch als Slideshow (mit Flash-Plugin) hier:

Die Bilder aller Teilnehmer werden am 11. und 12. Oktober in den Ludwig-Loewe-Höfen ausgestellt. Im Rahmen der Ausstellung findet auch die Verleihung der Preise statt. Die genaue Anschrift und Wegbeschreibung gibt es auf der Fotomarathon-Seite. Ich habe vor, am Samstag ab 18:00 Uhr zur Preisverleihung anwesend zu sein.

Und jetzt das Beste: Ihr könnt und dabei helfen, einen Publikumspreis zu gewinnen: Entweder beim Besuch der Ausstellung, oder aber in der Flickr-Gruppe Fotomarathon Berlin. Einfach im Abstimmung-Thread für unsere Startnummer 241 abstimmen!

Browser und Farbprofile

Nach den ganzen Artikeln zu Googles neuem Browser hier nun wieder zurück zur Fotografie – aber nicht ganz ohne Browserbezug.

Fotografen kennen das leidige Problem: Wenn man Bilder ins Internet stellt, kann es leicht vorkommen, dass die Farben nicht denen entsprechen, die man in der Bildbearbeitungssoftware sieht. Das liegt oft daran, dass in den Bildern ein Farbraum (ICC Profil) eingebettet ist, den der Browser nicht interpretieren kann. Abhilfe schafft man meistens, indem man sie Bilder in den sRGB-Farbraum umwandelt, der zwar nicht sehr groß ist, aber zumeist der Bildschirmanzeige entspricht.

Aber es tut sich was: Erste Browser-Entwickler haben das Problem erkannt und beginnen damit, Farbprofilunterstützung in ihre Produkte einzubauen. Hier die aktuelle Übersicht (Stand September 08):

Microsoft Internet Explorer 7: nein
Mozilla Firefox 3.01: ja (*)
Apple Safari: ja
Google Chrome Beta: nein
Opera 9.52: nein

(*) Leider ist die Unterstützung bei Firefox nicht per default eingeschaltet. Um sie zu aktivieren muss man im unter der Special URL about:config den Wert gfx.color_management.enabled auf true setzen.

Etwas überrascht allerdings der Unterschied zwischen Chrome und Safari, da beide auf der WebKit Rendering Engine aufsetzen. Aber im direkten Vergleich sieht auch das Font-Rendering der beiden Browser sehr unterschiedlich aus.

Wohnst Du noch in Friedrichshain oder schon in “Horst Wessel”?

Es hat einige Zeit gebraucht, bis mir überhaupt klar wurde, wie ungeheuerlich der Lokalisierungs-Bug von Flickr ist, von dem ich heute morgen in einer Flickr-Gruppe las:

Seit kurzem werden Bilder in Flickr nicht nur dem Ort zugeordnet, an dem sie aufgenommen wurden, es wird auch der Stadtbezirk angezeigt. Das System funktioniert wohl noch nicht richtig genau, deshalb bittet Flickr um Mithilfe bei falscher Ortszuordnung.

Erschreckend ist aber das folgende: Bilder von der East Side Gallery in Berlin, bekommen als Ort “Horst Wessel” zugeordnet. Ein Nazi statt eines Stadtbezirkes? Das find ich wirklich haarsträubend.

Zum Test hab ich auch eines meiner Bilder mit Geokoordinaten versehen. Hier der Screenshot:

Auf meine Meldung im “Abuse Report” vor sechs Studen hab ich bisher nur eine automatisch generierte Antwort bekommen.

Update: Flickr scheint sich dem Problem angenommen zu haben. Eingeloggt sehe ich zwar immer noch den falschen Ort, aber das scheint nur noch am Cache zu liegen. Nicht eingeloggt erscheint jetzt “Friedrichshain”.

Update2: Es scheint, “Horst Wessel” wurde nur in der Englischen und Koreanischen Übersetzung angezeigt. Inzwischen ist die Kategrie wohl ganz gelöscht. Mehr zu diesem Bug und weitere Kommentare gibt es in einem eigenen Thread im deutschsprachigen Support-Forum.